Bürgerstiftung Hannover

Lebe deinen Traum

Seit 20 Jahren arbeitet, leitet und engagiert sich Dani Marchthaler für die Einrichtung „Der Bau-Hof“ in Wunstorf

Der Bau-Hof ist aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Wunstorf heute nicht mehr wegzudenken. Mit diesem Vorzeigeprojekt in der Region Hannover hat sich Dani Marchthaler ihren Jugendtraum umgesetzt: gemeinsam mit Kindern eine Farm zu betreiben – mit allen Konsequenzen. Und so einen Rahmen zu schaffen für die freie und unbeschwerte Entwicklung von Kindern in einer geschützten Umgebung, die ihre Phantasie anregt und ihnen viele Möglichkeiten zum Ausprobieren bietet, um sie fit für ihr späteres Leben zu machen.

Als die Stadt Wunstorf 1995 den früheren Baubetriebshof zur Nutzung für eine Jugendeinrichtung freigab und die Trägerschaft ausschrieb, traute niemand dem von Marchthaler und ihrem damaligen Lebenspartner Hajo Arnds neu gegründeten Verein für kreative Kinder- und Jugendarbeit zu, die Aufgabe als freier Träger zu stemmen. Mangels konsensfähiger Alternativen erhielt er dennoch den Zuschlag. Fünf Jahre lang wurde gemeinsam mit Jugendlichen gebaut und gleichzeitig pädagogische Arbeit geleistet. Viele Menschen haben sich schon damals ehrenamtlich beteiligt. So konnte die einstige Idee Stück für Stück Wirklichkeit werden.

Die gebürtige Schwäbin wuchs in der Nähe von Stuttgart auf und verbrachte in ihrer Kindheit selbst viel Zeit auf einem sogenannten Aktivspielplatz bzw. einer Jugendfarm. Ihr damaliger Betreuer geht dieser Tage nach 38 Jahren Engagement in Rente und ist noch heute ihr großes Vorbild. Eine solche Entwicklungsumgebung wünschten sie und ihre Mitstreiter sich auch für ihre Kinder in Wunstorf, denn Angebote für Kinder und Jugendliche waren in den 90er Jahren Mangelware.

Einige der heutigen Bau-Hof-Elemente, wie Tierbereich, Hüttenbau, Naturspielbereich oder Kreativwerkstatt gab es auch schon auf dem Aktivspielplatz ihrer Kindheit. Dazu kamen nach und nach neue Angebote: ein Areal für Skater, ein Seilgarten, eine Fahrradwerkstatt zum selber reparieren, eine Kletterhalle, ein Musikübungsraum für Bands und ein Jugendcafé. Heute betreibt der Träger auf dem Gelände außerdem einen Hort und bietet regelmäßig Ferienbetreuung an. Vieles davon schuf der Verein in Eigeninitiative und ohne finanzielle Förderung durch die Stadt.

Besonders am Herzen liegt Dani Marchthaler die Tierhaltung auf dem Bau-Hof, denn den Kontakt von Kindern zu Tieren prägt ihre Persönlichkeit in besonderer Weise. Rund 100 Kinder engagieren sich regelmäßig in diesem Bereich und versorgen die Tiere am Wochenende und an schulfreien Tagen fast komplett allein. Ganz nebenbei lernen sie Teamgeist und Verantwortung, Sorgfalt und Verlässlichkeit. „Die Tiere machen bei uns einen tollen Job, ich empfinde Ehrfurcht und Respekt für sie. Viele Kinder haben eine ganz besondere Verbindung zu ihnen. Ihre Wirkung auf schwer beeinträchtigte Kinder, die normalerweise kaum Regungen zeigen können, rührt mich immer wieder.“

Doch gerade die Tierhaltung war aus Sicht der Stadtverwaltung ungewöhnlich für ein solches Projekt und stieß auf Widerstand – der Bau-Hof erhält bis heute keine finanzielle Unterstützung dafür. Den jährlichen Bedarf für Futter und Instandhaltung in Höhe von rund 11.000 € finanziert die Einrichtung ausschließlich über Spenden und Zuschüsse anderer Träger, wie zum Beispiel der Bürgerstiftung Hannover.

Der Bau-Hof ist offen für jeden. Zu den 20.000 Tagesbesuchern pro Jahr zählen Kinder und Eltern in der offenen Arbeit, Schulklassen und andere Besuchergruppen sowie Teilnehmer an Ferienbetreuungen und Projekten. Zu dieser Besucherzahl kommen noch die Hortkinder, die die Einrichtung an fünf Tagen pro Woche nutzen. Von Dienstag bis Samstag bietet das Gelände jeden Nachmittag Raum für Entfaltung und Engagement. Dabei wirkt die hier geleistete Arbeit nachhaltig: Einige der früher betreuten Kinder sind heute als Erwachsene noch immer ehrenamtlich mit dabei, manche haben bereits ihre Kinder hier.

So sehr Marchthaler die  zunehmende Akzeptanz des Bau-Hofs freut, so sehr ist sie enttäuscht darüber, dass sie nach wie vor um eine ausreichende Finanzierung ringen muss, denn angesichts von Ganztagsschulen und flächendeckenden Betreuungsangeboten wird an der offenen Jugendarbeit gespart. So werden seit 1999 unverändert nur drei Mitarbeiter finanziert – während sich die Zahl der betreuten Kinder und Jugendlichen verdoppelt hat. Ohne den Einsatz vieler Ehrenamtlicher wäre dies gar nicht möglich. Der jeweils für fünf Jahre festgelegte Förderbetrag der Stadt reicht knapp für den laufenden Betrieb. Die Mittel für Instandhaltung werden nach wie vor zu gering bemessen und die allgemeinen Kostensteigerungen finden so gut wie keine Berücksichtigung. Immer wieder wundert sie sich, dass das Engagement so vieler Bürger in diesem Projekt zwar große Anerkennung genießt, aber dennoch finanziell keine entsprechende Ausstattung erhält. Vielleicht, mutmaßt sie, liegt es ja auch daran, dass zu wenig Entscheidungsträger den gesellschaftlichen Wert dieser Einrichtung erkennen.

Trotz vieler schwieriger Situationen im Kampf um den Erhalt des Bau-Hofs hat Dani Marchthaler in ihrem Engagement nie nachgelassen. Eine Sechs-Tage-Woche mit oft über 50 Stunden bei jahrelanger Teilzeit-Bezahlung ist ihr Alltag. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass sein Wert für die Stadt und ihre Menschen noch mehr wahrgenommen wird – und dass die Verantwortlichen auch danach handeln. Ihr Lebenswerk soll nicht kaputtgespart werden! „Ein zusätzlicher Mitarbeiter mehr wäre toll, die finanzielle Absicherung des Tierbereichs und gesicherte Basisfinanzierung für die gesamte Einrichtung wünscht sie sich. „Schade, dass wir immer wieder für etwas kämpfen müssen, das jeder gut findet.“