Bürgerstiftung Hannover

Zwei musikalische Schwestern


Gesungen hat die 14-järige Aaliyah schon immer gern. Und wo Aaliyah war, wollte von klein auf auch ihre zwei Jahre jüngere Schwester Jamilia mit dabei sein. Bereits im Kindergartenalter besuchten die Mädchen gemeinsam die musikalische Früherziehung und sangen im Chor. Nach dem ersten Auftritt, bei dem auch einige Kinder Instrumente spielten, stand für Aaliyah fest: „Ich will auch ein Instrument erlernen!“ Gemeinsam mit Jamilia begann sie bald darauf mit dem Klavierunterricht an einer privaten Musikschule. Seit 2015 wird sie durch MUPA gefördert.

Das Klavier der beiden Mädchen gehört zu Jamilias Zimmer wie ihr Bett, der Schreibtisch, ein Boxsack oder der zierliche rosa Sessel. Ebenso wie Aaliyah spielt sie täglich mindestens 20 Minuten darauf. Beide möchten das Klavierspiel nicht mehr missen und üben meistens gern. Vor den regelmäßigen Prüfungen ist der Aufwand noch deutlich höher, denn die Musikschule besteht darauf, dass alle Stücke auswendig vorgetragen werden. Die Eltern unterstützen ihre Töchter voll und ganz und sind begeistert von ihrer Entwicklung. Viel Zeit und Geld haben sie bereits in deren musikalische Ausbildung investiert. Erst vor wenigen Monaten musste die Familie sogar umziehen – Nachbarn hatten sich immer wieder über den „Lärm“ beschwert.

Neben Klavierunterricht und Gehörbildung singt Aaliyah heute dreimal pro Woche in verschiedenen Chören. Auch wenn ihr nach Schule und Musik manchmal wenig Zeit bleibt, möchte sie keinesfalls darauf verzichten: „Meine Leidenschaft ist der Gesang, vielleicht möchte ich später auch mal schauspielern. Ich kann mir ebenso gut vorstellen, als Musiklehrerin an einer Schule zu arbeiten,“ sagt sie. „Auf jeden Fall glaube ich, dass wir beide immer Musik machen werden.“

„Das denke ich auch,“ bestätigt die 12-jährige Jamilia. „Bis jetzt will ich aber Chirurgin werden.“ Dabei nimmt ihre Liebe zur Musik sogar noch mehr Zeit in Anspruch: Sechs bis sieben feste Termine hat sie pro Woche: viermal Instrumentalunterricht, dazu Gehörbildung, Chor und zeitweise zusätzliche Stunden zur Vorbereitung auf Konzerte. Die begeisterte Leichtathletin würde auch gern mehr Sport treiben und ihrem Vorbild Usain Bolt nacheifern, aber dafür reicht ihre Zeit einfach nicht. Mit sechs wollte sie zusätzlich zum Klavier unbedingt Geige spielen lernen. Ein ganzes Jahr dauerte es, bis ihre Eltern zustimmten. „Jamilia hat einen starken Willen und nicht lockergelassen. Aber ohne die Unterstützung von MUPA hätten wir uns das nicht getraut,“ erzählt ihre Mutter Edyta Moumouni-Dobrska. „Für beide Mädchen zusammen haben wir schon damals 280 Euro pro Monat für Musikunterricht ausgegeben,“ sagt ihre Mutter. „Manche haben uns für verrückt erklärt.“

2014 erhielt die Familie die Zusage für eine Förderung durch MUPA. Kurz darauf war eine Lehrerin gefunden und eine Geige ausgeliehen. Jamilia erwies sich als sehr begabte und fleißige Schülerin mit natürlicher Musikalität und viel Gefühl für Rhythmus. Sie lernte schnell und konnte schon nach wenigen Monaten im MUPA-Orchester mitspielen. Und auch hier entwickelte sie sich ungewöhnlich erfolgreich. Für den Weg von der dritten zur ersten Geige brauchen Anfänger normalerweise mehrere Jahre, Jamilia schaffte es in wenigen Monaten. Aus dem talentierten kleinen Mädchen ist inzwischen eine selbstbewusste junge Musikerin geworden, die weiß, was sie kann, und noch immer mit der gleichen Begeisterung spielt. Nach ihrem Wechsel aufs Gymnasium 2107 durfte sie auch dort sofort ins „große“ Orchester. Leider reicht ihre Zeit seitdem nicht mehr für das MUPA-Orchester. Aber Jamilia ist stolz, dass sie den Sprung gleich geschafft hat, und dankbar, dass MUPA ihr diese Entwicklung ermöglicht hat.  Vielleich erleben wir sie ja eines Tages in einem großen Orchester.

Frühstudium dank Hochbegabung

Der musikalische Werdegang von  Xabel Martinez Reiners begann bereits mit fünf Jahren am Klavier und mit sechs am Cello. Seine Eltern legten von Anfang an großen Wert auf musikalische Erziehung. Xabel zeigte schon früh besonderes Talent und die intensive Ausbildung trägt Früchte: Seit 2014 gewann er zahlreiche Preise beim Nachwuchswettbewerb „Jugend musiziert", 2017 einen ersten Bundespreis in der Wertung Klavier Solo. Der heute Fünfzehnjährige konzertiert inzwischen regelmäßig als Solist mit Orchester, Chorbegleitung und Kammermusikern.

Der hochgewachsene junge Mann besucht die Freie Waldorfschule Sorsum und studiert seit  2015 zusätzlich am Institut zur Früh-Förderung musikalisch Hochbegabter an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover mit dem Schwerpunkt Klavier in der Klavierklasse von Prof. Alexander Schimpf. Aber auch das Cellospiel liegt ihm nach wie vor sehr am Herzen. Sein Vater Bernardo Martinez ist Musiker von Beruf und weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig die langfristige musikalische Förderung von Kindern ist, damit aus Begeisterung und Talent professionelles Können wird. Doch hochqualifizierter Unterricht kostet viel Geld. Die anteilige Finanzierung durch MUPA seit 2015 ermöglicht Xabel, gleichzeitig in der Cello-Klasse von Jorin Jorden zu lernen und seine musikalische Entwicklung längerfristig zu planen. Gerne würde er später Musik in seinem Hauptfach Klavier studieren sowie weiterhin im Nebenfach Cello. Alternativ kann er sich auch ein Medizinstudium vorstellen. „Ich freue mich sehr über diese tolle Unterstützung“, sagt er. „Eine solch hervorragende musikalische Ausbildung, wie ich sie im Moment genieße, könnte ich sonst nicht erhalten. Ohne MUPA wäre ich nicht auf dem heutigen Stand. Dafür danke ich von ganzem Herzen.“